Ihr Lieben,

das Pfingstfest kommt, die Geburtsstunde der Kirche, und wir beginnen ein weiteres Mal nach strammem Lockdown in der SARS-CoV-2-Pandemie mit Präsenzgottesdiensten in unseren Kirchen. Wird es diesmal von Dauer sein oder wieder nur über den Sommer reichen? Grundlegendes hat sich in den Maßnahmen zur Pandemie geändert: Das Impfen hat Fahrt aufgenommen, und es stehen erhebliche Kapazitäten an Testmöglichkeiten zur Verfügung. Doch all das ersetzt nicht Vor- und Umsicht jedes Einzelnen, nicht die AHA-Regeln, nicht den achtsamen Blick auf vulnerable Mitmenschen – weltweit.

Mit Blick auf die Jünger:innenschar in Jerusalem, die sich noch ängstlich eingekapselt hat, berichtet Lukas von Pentekoste, einem Ereignis fünfzig Tage nach Pessach, unserem Auferstehungsfest, und erzählt in dramatischer Form die Geistbegabung – mit Sturmesbrausen und Feuerzungen. Die Angst scheint wie weggepustet; freimütig und offen bekennen die Jünger:innen, was sie von Jesu Predigt verstanden haben. Was beim Zeugnis des Johannes als intimes Zeichen der Anhauchung daherkommt, wird bei Lukas gleichsam „aufgeplasen“. Von Jesus her springt der bewegende Gottesgeist auf die Jünger:innenschar über, und zwar unterschiedslos auf Männer und Frauen, Junge wie Alte, Reiche und Arme. Selbst das verhängnisvolle erste Vatikanische Konzil mit seinem kruden Kirchenbild vermochte die Pfingsterzählungen nicht zu verbiegen.

Die Kirche muss sich also gar nicht verbiegen oder neu erfinden im synodalen Weg oder in der Bischofssynode. Sie braucht nur aus dem Reichtum ihrer Geschichte [[Tradition] zu schöpfen, dan finden sich in ihr Männer und Frauen, Junge und Alte, Laien wie Priester / Bischöfe mit gleichen Rechten kraft ihrer Taufe und Firmung geistesgegenwärtig und geistbegabt, wenn auch mit unterschiedlichen Aufgaben, Rollen und Diensten in der einen Kirche wieder. Die Wahlen zu Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand stellen für unsere Pfarrei die erste große Herausforderung an die Geistesgaben [Charismen] unserer Christ:innen. Gehen wir geistesgegenwärtig diese Herausforderung an, kirchliches Leben in unserer Pfarrei und Kirche im Hinblick auf post-pandemische Zeiten lebendig und glaubwürdig zu gestalten.

Unseren Pfarrer Christian Böckmann zitierend, wünsche ich „frohe Pfingsten“ und einen gesegneten Sonntag mit herzlichen Grüßen

Michael Clemens, Pastor