Ihr Lieben,

die Schulsommerferien gehen zu Ende, der aktuelle Gemeindebrief St. Engelbert kommt. Die Inzidenzwerte der Sars-CoV-2-Pandemie schnellen in die Höhe, und alle fragen sich, kommt damit auch wieder ein Lockdown? Die Impfzahlen sind beachtlich, stehen aber in keinem Verhältnis zur „Impfeuphorie“, bevor die Vakzine zur Verfügung standen. Was ist los mit den Deutschen? Steht so wenig Vernunft und Einsicht zur Verfügung, dass man es lieber darauf ankommen lässt, als sich impfen zu lassen? Ich verstehe die „Impfmüdigkeit“ bzw. „Impfverweigerung“ nicht. Ist es nicht auch eine christliche, eine Frage von Verantwortungsethik und Nächstenliebe?

Vielleicht wird sich der eine oder die andere über den Artikel zum Tod von Prof. Dr. Arnold Angenendt wundern. Mich hat der Tod dieses akademischen Lehrers nicht nur persönlich berührt, ich halte das Wirken dieses Kirchenhistorikers für einen epochalen Wandel in der kirchengeschichtlichen Forschung und Lehre. Die furztrockene und völlig unergiebige Aneinanderreihung von Jahreszahlen und Ereignissen wird durch Arnold Angenendt für den deutschsprachigen Raum abgelöst durch ein In-Beziehung-setzen mit sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Entwicklungen, d. h. Geschichte wird lebendig. Ich selbst habe dadurch Spaß an Kirchen- und Zivilgeschichte bekommen,  und die kirchenhistorische Wissenschaft endlich wieder Anschluss an die sonstige Geschichtswissenschaft. Ich empfehle, wer mehr erfahren möchte, das Dossier auf der Website des Münsteraner Forums für Theologie und Kirche [www.theologieundkirche.de] “Wenn die Hoffnung auf Vollendung nach dem Tod fehlt …“ , dort u. a. den Nachruf von Angenendts Nachfolger Prof. Dr. Hubert Wolf, selbst ein exzellenter Kirchenhistoriker. So umfangreich das Werk / und die Werke von Arnold Angenendt ist / sind, so spannend sind sie zu lesen und geben eine Ahnung von den Vorlesungen und Predigten, mit denen der Professor und Priester Menschen in den Bann zu ziehen vermochte. „Die Geschichte der Religiosität im Mittelalter“ stellt gleichsam die Summe seiner Mittelalterforschung dar. In seinen Büchern „Toleranz und Gewalt“ sowie „Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum“ wird er geradezu „tagesaktuell“. Es lohnt sich, A. A. zu lesen.

Feiern wir an diesem Sonntag „Mariae Aufnahme in den Himmel“, denken wir dabei an die Vollendung mit „Leib und Seele“, der wir als Verheißung doch alle zustreben und finden wir langsam wieder hinein in ein geordnetes Alltagsleben – ein wenig anders, aber Alltag und Ordnung.

Herzlich Ihr und Euer Michael Clemens, Pastor  

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