Ihr Lieben,

regelmäßig lese ich die Informationen der Website „katholisch.de“.  Das ist höchst informativ, manchmal amüsant, zurzeit viel häufiger zum Haareraufen, - wobei das bei mir, rein physisch, eine der leichtesten Übungen ist. 😉

Zu den berechtigterweise Topthemen gehören immer wieder Fälle sexualisierter und spiritueller Gewalt und der innerkirchliche Umgang damit. Jüngste Veröffentlichungen beschäftigen sich wiederholt mit P. Kentenich, dem höchstumstrittenen „Vater“ der Schönstatt-Bewegung. Alexandra von Teuffenbach, renommierte Kirchenhistorikerin in Rom, hat u. a. in erst jetzt zugänglichen Akten geforscht und ein Buch veröffentlicht. Das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern setzt „Himmel und Hölle“ in Bewegung, die dort dokumentierten Vorfälle der Öffentlichkeit vorzuenthalten: „Der Vater darf das.“. Wir sind im Jahr 2021. Die Klage der Marienschwestern ist zunächst gerichtlich gescheitert, doch der Prozess der Seligsprechung im Bistum Trier läuft weiter. Bitte lesen! Dann versteht meine Frage: „Geht’s noch?“ Schließlich ist der aktuelle Trierer Bischof zugleich der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischofskonferenz.

Apropos! Der Erzbischof von München und Freising, Rainer Kardinal Marx war bereit, ohne nachgewiesene persönliche Verantwortung, systemisch Verantwortung zu übernehmen und bot dem Papst seinen Rücktritt an. Abgelehnt! Hamburgs Erzbischof Stefan Heße reichte nach erwiesenen schweren Fehlern während seiner Tätigkeiten im Erzbistum Köln seinen Rücktritt ein. Abgelehnt!

Und sie nehmen mit Hinweis auf Gehorsam und das Diktum des Papstes widerspruchslos ihren Dienst wieder auf.

Da regt sich in mir etwas, dem ich besser zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Namen geben möchte. Im Bistum Dresden wird das Grab eines höchst charismatischen, aber eben ebenso höchst übergriffigen Pfarrers eingeebnet, um das honorige Andenken plakativ zu tilgen. Wir haben in unserem Bistum vor kurzem einen Totenmeldung erhalten, die mit ihrer knappen Erinnerung alles sagte. Bischöflicherseits wird das Diktum berichtet, dass überführte übergriffige Geistliche ruhig in Hartz IV landen sollten, was allein schon aus Gründen der Gerechtigkeit, da anteilig arbeitszeitlich mitfinanziert, höchst problematisch und rechtlich angreifbar ist .  Und es blendet immer und immer wieder die bischöfliche Verantwortung aus. Es muss endlich Schluss sein mit der Brechtschen These „Die Kleinen hängt man, und die Großen gehen leer aus.“

In diesem Sinne frage ich mich, wie Bischöfe sich fühlen, wenn Sie begründet ihren Rücktritt anbieten und der abgelehnt wird? Wie ehrlich wird in diesem System letztlich gespielt? Für wie grenzdebil hält man Kirchenvolk und Öffentlichkeit eigentlich, wenn solche Rücktrittsszenarien „demütig“ inszeniert daherkommen. Wie unsensibel und realitiätsfern handelt der handelt der Vatikan da eigentlich? Das beschädigt doch diesen Papst! Aber es beschädigt auch die Bischöfe! Im Ernst, ich möchte meinen Rücktritt einreichen, und bin mir absolut sicher. Dann trete ich zurück. Schluss! Aus!

Wenn ich mir nicht ganz sicher bin, frage ich meinen Bischof um Rat, bzw. der, wenn er zurücktreten will, seinen Erzbischof oder den Papst. Aber die Entscheidung – bei allem GEHORSAM – treffe ich selbst! Und dann stehe ich auch dazu.

Mit schwerem Kopfschütteln angesichts dieser Ereignissen wünsche ich dennoch ein gedeihliches Lesen des angehängten aktuellen Gemeindebriefs St. Engelbert mit herzlichen Grüßen

Michael Clemens, Pastor

zum Gemeindebrief